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Wenn die Bergstation ruft

Er ist ein echtes Original: Thury Meier. Seit mehr als 16 Jahren arbeitet der bärtige als Liftangestellter der Bergstation Täli im Liechtensteiner Skigebiet. Jeder kennt sein verschmitztes Lachen, jeder schätzt sein Pflichtbewusstsein. Ein Malbun ohne Thury? Undenkbar!

"Hoi Thury", ertönt es im regelmässigen Abstand von wenigen Sekunden - und das von morgens 9 Uhr bis nachmittags 4 Uhr. Genauso oft kommt ein fröhliches "Hoi" zurück, gepaart mit einem breiten, bärtigen Grinsen. Thury Meier gehört wahrscheinlich zu den meistgegrüssten Menschen Liechtensteins - zumindest während der Wintersaison. Seit 16 Jahren ist der gebürtige Luzerner Liftangestellter der Bergstation Täli und jeder, der in Malbun sein Skiglück versucht, kennt sein kantiges Gesicht und seine liebenswürdige, direkte Art. "Natürlich kann ich mir nicht alle Namen der Skifahrer merken", schmunzelt der 65-Jährige. "Aber ich bin gut darin, mir Gesichter und Stimmen einzuprägen."

Wetterfest und kälteerprobt

Eigentlich wäre Thury Meier ja bereits seit einem Jahr im Pensionsalter. Aber das Nichtstun liegt ihm nicht. Und die Bindung zur Täli-Station ist einfach zu gross. "Zu meinem Glück wollten mir meine Kollegen bei den Bergbahnen Malbun noch nie meinen Arbeitsplatz streitig machen", schmunzelt Thury. "Vielleicht schreckt es sie ab, dass die Sonne es erst sehr spät bis zur Bergstation schafft." Spät ist hier durchaus im wörtlichen Sinne des Wortes gemeint. Erst Anfang Februar schaffen es die Sonnenstrahlen über die Bergkuppe. Der 65-Jährige weiss haargenau, wann: "Seit der moderne Sechsersessellift im Jahr 2006 in Betrieb genommen wurde, zeigt sich die Sonne am 14. Februar. Bei der ehemaligen Zweiersessel-Station, die etwas tiefer lag, tauchte sie schon zwischen dem 8. und 9. Februar auf."

Vermisst hat Thury Meier die wärmenden Sonnenstrahlen allerdings nie. Er mag keine "Hitze" und eigentlich kann es ihm gar nicht kalt genug sein. "Früher waren die Temperaturen noch viel extremer", erzählt er. "Da stand ich bei minus 24 Grad am Lift und hatte nur ein kleines Kastenhäuschen, um mich aufzuwärmen." Nicht zu vergleichen mit dem grosszügigen Raum, der ihm heute zur Verfügung steht. Doch trotz allen Komforts steht Thury immer noch am liebsten draussen, direkt am Lift. "Mir macht der Kontakt zu den Leuten einfach Spass."

Ursprünglich war mal angedacht, dass der Angestellte von seinem Platz hinter der Glasfront aus die Technik kontrollieren sollte. Doch da Thury im Freien arbeiten wollte, hat man ihm extra ein Kabel nach draussen verlegt und einen Abstellknopf für den Lift montiert.

Ein bewegtes Leben

Thury Meier ist ein Mann mit 1'000 Geschichten. In jungen Jahren erlernte er den Beruf des Konditors - einen Beruf, den er nach Abschluss der Lehre gegen denjenigen des Lastwagenfahrers eintauschte. Um die mangelnde Arbeit im Winter zu kompensieren, begann er mit 37 Jahren als Pistenfahrzeugfahrer in Brigels, wo die Verantwortlichen schnell das Potenzial des jungen Mannes erkannten. Neben der Verantwortung für die Pisten wurde ihm kurzerhand auch die Bewirtschaftung einer Schneebar auf 2'100 m ü. M. anvertraut. Und so hiess es für ihn die nächsten 12 Winter: Frühmorgens mit dem Pistenfahrzeug rauf in die Berge - und anschliessend ab an die Schneebar.

Als Thury Meier schliesslich auf die Stellenausschreibung für einen Liftangestellten in Malbun stiess, dachte er, dass die Zeit für eine Veränderung reif sei. Er bewarb sich, überzeugte und durfte bereits wenige Wochen später seine neue Stelle in Liechtenstein antreten. Seither ist er für den Betrieb der Täli-Bergstation verantwortlich - eine Aufgabe, der er sich noch heute mit dem gleichen Engagement widmet wie damals. Später wurde er zusätzlich als Pistenfahrzeugfahrer eingesetzt und für rund fünf Jahre hatte er sogar eine Ganzjahresanstellung bei den Bergbahnen Malbun.

Der "Tüpflischiisser"

Thury Meier ist ein lockerer Typ. Nur wenn es um seine Täli-Bergstation geht, dann bezeichnet er sich selbst als "Tüpflischiisser" - bzw. als den "pingeligsten Liftbetreiber" überhaupt. "Wenn ich einen Tag freihabe und bei meiner Rückkehr nicht alles genau so vorfinde, wie ich es haben will, werde ich eklig", sagt er - und für einen kurzen Moment verdüstert sich seine Miene. "Ich weiss nun mal, wie alles sein muss, damit es reibungslos läuft." An Aufgaben mangelt es ihm nicht. Gerade, wenn ein Föhnsturm durch die Berge fegt, ist der Aufwand gross, den Ausstieg an der Liftstation perfekt zu präparieren. "Bei dieser Arbeit merke ich mittlerweile, dass ich nicht mehr der Jüngste bin", gibt Thury Meier zu. "Früher habe ich den Schnee allein beiseitegeschaufelt. Heute muss ich meinen Kollegen bei der Talstation funken und sie um Hilfe bitten, wenn die Schneeverwehungen zu stark sind.

Es ist "seine" Täli-Bergstation, "sein" Malbun. Thury Meier liebt seinen Arbeitsort auch nach 16 Jahren so sehr, dass es ihn selbst in seiner Freizeit hierher zieht - zumindest in den Wintermonaten. "Es ist einfach ein schöner Ort", schwärmt er. "Das Skigebiet ist klein, übersichtlich und familiär. Bei uns geht niemand verloren. Egal, auf welcher Piste er fährt, irgendwann kommt er wieder ins Zentrum zurück." Zu früheren Zeiten war er auch selbst gerne auf den Skiern unterwegs, aber nach zwei Hüftoperationen nimmt es Thury Meier etwas ruhiger. "Wenn ich heute freihabe, nehme ich den Lift ins Bergrestaurant Sareis, wo ich mich mit ein paar Senioren in einer gemütlichen Runde treffe. Wir haben immer eine Gaudi." Und gegen Abend, wenn die anderen die Skier anschnallen, geht es für ihn einfach wieder mit dem Lift nach unten.

Und was macht ein Thury Meier im Sommer? Mit Sicherheit nicht faulenzen. Dann unterstützt er einen befreundeten Landwirt bei der Bewirtschaftung der Bergalp Maiensäss. "Im Tal ist es sowieso viel zu heiss. Da zieht es mich in die Höhe", erzählt er. "Ich liebe die Bergluft." Vor allem die Bergluft, die nach Schnee riecht. Und so kribbelt es ihn schon wieder in den Fingern, sobald der Herbst einkehrt. Dann ruft ihn seine Täli-Bergstation - und diesem Ruf konnte Thury Meier noch nie widerstehen.

Text: Niki Eder / Fotos: Martin Walser / Dieser Artikel ist im Liechtenstein-Magazin "oho" 2016/17 erschienen