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Am Boden

Die Erzählung einer Kriegsdrohnenpilotin nimmt unsere Vorstellungen von Krieg, Familie und die Kraft des Geschichtenerzählens ins Visier.

Eine F16-Kampfpilotin hat jahrelang selbstbestimmt und unabhängig ihren Traum gelebt: Sie behauptete sich in einer Männerdomäne und verteidigte die Freiheit, die sie selbst am Himmel erlebte. In ihrem Kampfjet waren ihre Gegner auf abstrakter Distanz. Dann wurde sie ungeplant schwanger, blieb als Mutter am Boden und bittet nach drei Jahren um Wiederanstellung. Doch die Kriegsführung hat sich verändert. Eingesetzt wird sie nun als Drohnenpilotin. Von nun an tauscht sie das Blau des Himmels gegen das Grau der Monitore, denn sie fliegt eine Drohne – ferngesteuert aus einem klimatisierten Anhänger in der Wüste. Sie pendelt täglich zwischen Kindergarten und Joystick, zwischen Familienleben und automatisiertem Töten. Nicht in der Luft, sondern am Boden, folgt sie den Befehlen aus dem Kopfhörer, jene abzuschiessen, die andere für schuldig erklären.

 

George Brants Monolog erzählt vom Verschwimmen von Grenzen, fragt nach Verantwortlichkeit, nach den Konsequenzen der modernen Kriegsführung und danach, wer das Urteil über die Schuldigen spricht. Und er erzählt von einer Kämpferin, die keine Mörderin sein will.

 

Der amerikanische Dramatiker George Brant schrieb mit «Am Boden» sein bislang erfolgreichstes Stück. Der sorgfältig recherchierte Monolog hat seit seiner Uraufführung 2013 in San Francisco nichts an Aktualität eingebüsst: Er liefert einen packenden Einblick in die Welt des modernen drohnenbasierten Kriegs. «Grounded», so der englische Originaltitel, entwickelt noch dazu sprachlich enorme Zugkraft und zwingt zur Auseinandersetzung mit der Frage, was es gesellschaftlich und moralisch bedeutet, wenn wir Kriegsführung zunehmend ins Virtuelle verlagern und es nur noch eines anonymen Knopfdruckes am anderen Ende der Welt bedarf, um ganze Menschengruppen auszulöschen.