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"Bijou im Herzen Liechtensteins"

Von einer Fürstenhut-Replik über Fabergé-Eier bis hin zu Mondgestein mit Liechtenstein-Flagge: Der Direktor des Landesmuseums, Rainer Vollkommer, äussert sich im «Volksblatt»-Interview zum Museum "Schatzkammer Liechtenstein", das 2015 im Erdgeschoss des Vaduzer Engländerbaus eröffnet wurde.

Herr Vollkommer, wie entstand die Idee, eine repräsentative Auswahl von Kostbarkeiten und Besonderheiten rund um Liechtenstein dauerhaft mitten in Vaduz zu zeigen?
Grundgedanke war, dass wir 2010 eine wundervolle Schenkung von Adulf Peter Goop erhalten haben, die derart prachtvolle Schätze enthält, d ass es mir notwendig erschien, diese öffentlich zu zeigen und so zu würdigen. Anfang Juli 2012 zog dann Liechtenstein Tourismus aus dem Engländerbau, so schlug ich vor, die Objekte hier zu zeigen. Am 9. Juli 2012 unterbreitete ich der Regierung einen entsprechenden Vorschlag.

Bitte geben Sie uns einen Überblick: Was ist in der «Schatzkammer» zu sehen?
Der Untertitel der Ausstellung bringt es meines Erachtens gut auf den Punkt: «Vom Fürstentum über die Welt ins Weltall». In diesem Sinne kann ich drei Höhepunkte nennen, die sicher auch als Klammer interpretiert werden können: Die Replik der vor 200 Jahren verloren gegangenen «Fürstenhaube», das berühmte «Apfelblütenei» von Fabergé und Mondgestein mit den Fahnen von Liechtenstein, die im Zuge der Apollo-11- und Apollo-17-Missionen auf dem Mond waren.

Worauf weisen diese drei Objekte hin?
Die Fürstenhaube steht für das Fürstentum an sich. Das Fabergé-Ei für die Verbundenheit Liechtensteins mit der Welt – einen Gedanken, den gerade auch die russischen Ostereier aus der Zarenzeit schön hervorheben. Das Mondgestein ist schliesslich Ausdruck der Fortschrittlichkeit Liechtensteins in der Industrialisierung – seit den 1950er-Jahren hat sich Liechtenstein zu einem Industrieland allererster Güte entwickelt. «Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein grosser für die Menschheit», hiess es, als der Mond erstmalig betreten wurde. An diesem grossen Schritt hat damals die Balzers AG mitgewirkt, indem sie die Schutzbemantelung für die Raketen gebaut hat. Auf diese drei Objekte kann man also mit Fug und Recht ganz besonders stolz sein.

Wie schwierig war es, die genannten Exponate in dieser Dichte zusammenzubringen?
Es ist immer ein Spagat, den man hier macht. Es ist eine «Schatzkammer», ein Bijou im Herzen Liechtensteins, das über wenige Objekte punktuell die Vielfalt und den Reichtum Liechtensteins ausrücken will. Hier gilt «weniger ist mehr», auch was den Raum betrifft. Auf einer relativ kleinen Fläche stellen wir insgesamt ca. 150 Objekte aus, die zusammen eine üppige «Schatzkammer» bilden. Natürlich heisst «weniger ist mehr» auch, dass wir nicht die gesamte Sammlung Adulf Peter Goops zeigen können oder dass wir nur einige unserer 77 Gouachen aus Bleulers Serie «Rheinreise» in die Ausstellung integrieren.

Welche Institutionen waren wesentlich daran beteiligt, dass die «Schatzkammer» entstehen konnte?
Zunächst einmal die Regierung, die uns die Möglichkeit auch finanziell überhaupt eröffnet hat. Dann das Bauamt, das uns sehr stark in der Realisierung des kleinen Umbaus im Engländerbau unterstützt hat. Schliesslich auch die wunderbare Zusammenarbeit mit den Fürstlichen Sammlungen, deren Beitrag wir sehr schätzen.

Was für einen Eindruck von Liechtenstein nimmt der Besucher der «Schatzkammer» mit nach Hause?
Er wird zunächst sehen, dass Liechtenstein über die Familie Liechtenstein, aber auch über Liechtensteiner selbst bedeutende Sammlungen angehäuft haben, die wir hier auf schöne Weise andeuten können. Es kommt zum Vorschein, dass Liechtenstein ein sehr interessiertes Land mit vielen Sammlern ist, das sich sehr für die Kultur und die Geschichte interessiert. Es wird aber über den berühmten Entwurf für die erste Briefmarke von Liechtenstein, der ebenfalls in der «Schatzkammer» zu sehen ist, auch deutlich, dass Liechtenstein ein von Qualität und Präzision, gerade in der Herstellung von kleinteiligen Produkten, geprägtes Land ist.

Wen haben Sie als Zielgruppe im Auge?
Einerseits die Liechtensteiner selbst, die sehr stolz auf die gezeigten Exponate sein dürfen. Hier hat die «Schatzkammer» durchaus eine Identifikationsfunktion. Andererseits wollen wir natürlich auch die Touristen ansprechen. Hier bin ich überzeugt davon, dass auswärtige Besucher positiv überrascht sein und den Raum staunend erkunden werden.

Wie teuer ist ein Besuch?
Es kostet fünf beziehungsweise acht Franken. Sehr moderate Eintrittspreise, was uns natürlich freut.

Trotz der Ablehnung des Zentrumsprojekts ist in Vaduz einiges in Bewegung. Es naht bereits die nächste grosse Eröffnung: Ab Ende Mai wird der weisse Würfel zugänglich sein. Wie bewerten Sie die Entwicklung des Kunst- und Kulturangebots im Städtle?
Von Kulturministerin Aurelia Frick wurde dieses Jahr ja zurecht das «Kulturjahr» ausgerufen. Wir werden dank zweier neuer Museen die Kulturmeile schliessen, in deren Zentrum der Engländerbau steht und die flankiert wird durch das Landesmuseum und auf der anderen Seite durch das Kunstmuseum mit dem Erweiterungsbau der Hilti Art Foundation. Über diesen Weg haben wir eine Kultur- und Museumsmeile, die nicht nur im Herzen der Alpen steht, sondern sich in dieser Dichte erst wieder in München oder in Wien finden lässt.

Quelle: Liechtensteiner Volksblatt, 20.03.2015, Interview von Sebastian Goop

Zur Person
Rainer Vollkommer, geboren 1959 in München, hat die Verantwortung über die «Schatzkammer» und hat das Museumsprojekt von Beginn an betreut. Seit 2011 ist er, der Klassische Archäologie, Kunstgeschichte und Ur- und Frühgeschichte in München, Paris und Oxford studierte, Direktor des Landesmuseums. Zuvor war er u. a. Leiter des Landesmuseums für Vorgeschichte Dresden.