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Der Liechtenstein-Weg
Tag 2 – Von Triesenberg nach Vaduz

Von Luke Waterson

Triesenberg befindet sich zwischen 800 und 1000 Metern über dem Meeresspiegel und kann als Liechtensteins Tor zu den Bergen bezeichnet werden. Von hier schlängelt sich die Strasse weiter ins Bergdorf Malbun, dem Wintersportzentrum und Mekka für Bergwanderer. Hier spüre ich, dass ich mich in den Bergen befinde: Die Luft ist klarer, die Temperatur ein paar Grad kühler, die Häuser sehen anders aus und die schneebedeckten Gipfel näher. Triesenberg ist geprägt von der Walserkultur. Die Walser stammen ursprünglich aus dem Schweizer Kanton Wallis. Der typische Walser-Dialekt wird bis heute von den Triesenbergern gesprochen und von Generation zu Generation weitergegeben.

Triesenberg

Malbun

Das Walsermuseum, welches direkt neben dem Hotel Kulm liegt, vermittelt einen Einblick in die traditionelle Walserkultur. Fast alles, von Lagertöpfen bis hin zu Werkzeugen, besteht aus Holz. Sie müssen heute nur in die Gärten von Triesenbergs Häusern schauen, um zu verstehen, dass die Tischlerei eine Fähigkeit ist, die viele Menschen hier auch heute noch besitzen. Zu bestaunen gibt es auch das zum Walsermuseum gehörende über 400-Jahre alte Hagstickerhaus. Im unverwechselbaren Strickbaustil wurde das Haus 1600 erbaut, wobei überlappende Holzstücke an den Wänden einen äusseren Wabeneffekt erzeugen.

The Walser Museum

The Hagstickerhaus

Von Triesenberg haben Sie die Wahl einen aufregenden Abstecher vom Liechtenstein-Weg machen. Sie begeben sich dabei mit dem Bus von Triesenberg nach Gaflei, wo der Aufstieg zum wohl berühmtesten Wanderweg des Landes, dem Fürstensteig, beginnt: Aber Achtung, die felsige Route durch bizzare Felsformationen ist an manchen Passagen ziemlich haarsträubend. Der Wagemutige wird aber mit einer unvergesslichen Wanderung durch eine spektakuläre Felslandschaft mehr als entschädigt. Über die Drei Schwestern und vorbei an der Gafadurahütte gelang man anschliessend im Dorf Planken wieder zurück auf den Liechtenstein-Weg. Der Fürstensteig ist ab Juni geöffnet und nur für Schwindelfreie und Trittsichere Wandeer empfohlen.

Die Wanderung über den Fürstensteig

Mein heutiger Wegabschnitt bleibt unterhalb der Schneegrenze, aber jeder, mit dem ich bisher in Liechtenstein gesprochen habe, sagt mir, dass dieser nächste Abschnitt des Weges einer der schönsten und wohl meist unterschätzten Wanderungen des Landes ist. Und sie täuschen sich nicht. Der Aufstieg bis auf 1100 Meter, wie es der Weg jetzt tut, scheint in den Alpen keine grosse Höhe zu sein, aber alles ist relativ: Dieser Punkt ist immer noch höher als der höchste Gipfel in England oder Wales. In Profatscheng, dem höchsten Punkt des Liechtenstein-Weges, angekommen, bietet sich mir eine Postkartenansicht sowohl auf die liechtensteinische als auch auf der schweizerische Seite der Rhein.

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Aber das Beste liegt noch vor uns. Von Profatscheng führt der Weg im Zickzack steil hinunter durch den Schlosswald. Etwa auf halber Höhe taucht das Wildschloss auf mysteriöse Weise durch die Bäume auf und der Gerund von frischem Bärlauch strömt in meine Nase. Diese romantische Ruine, die prekär auf einem Felsen trohnt, wurde sofort zu meinem Favoriten unter den Schlössern und Burgen Liechtensteins, einschliesslich der berühmteren Fürstenresidenz auf Schloss Vaduz. Auch hier ist die Liebe der Liechtensteiner für Wanderer, die durch ihr Land ziehen, offensichtlich: Überall laden gemütlich Sitzbänke zum Verweilen ein und sind Abfallbehälter zu finden. Das Wildschloss ist ein märchenhafter Picknickplatz. Jemand hat sich sogar die Mühe gemacht, eine Auswahl von Stufen bereitzustellen, um den Wanderpfad während des Abwärtslaufs von hier nach Vaduz zu vereinfach. Was kann ich mehr tun, als eine Weile hier zu verweilen, die Aussicht auf mich wirken zu lassen und an den Köstlichkeiten zu knabbern, die mir freundlicherweise vom Hotel Kulm zur Verfügung gestellt wurden?

Luke Waterson

«Die Liebe der Liechtensteiner für Wanderer, die durch ihr Land ziehen, ist offensichtlich: Überall laden gemütliche Sitzbänke zum Verweilen ein und es sind Abfallbehälter zu finden.»

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Es ist heutzutage eine sehr seltene Sache, sich zum ersten Mal zu Fuss einer europäischen Hauptstadt zu nähern: Wenn Sie sich überlegen, dass Sie sich Paris oder London so nähern würden, scheint es unvorstellbar zu sein, aber nicht in Liechtenstein. Hier ist alles so viel übersichtlicher und so lade ich in Vaduz. Zuerst erhasche ich durch den Wald nur einen flüchtigen Einblick in die drittkleinsten Hauptstadt Europas. Langsam aber sicher werden die Dächer grösser und dann kündigen die Türme von Schloss Vaduz an, dass ich Vaduz erreicht habe.

Schloss Vaduz stammt aus dem 12. Jahrhundert ist seit 1938 die offizielle Wohnsitz der liechtensteinischen Fürstenfamilien und daher auch nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Einmal im Jahr, am Nationalfeiertag des Landes am 15. August, öffnet Prinz Hans-Adam II. sein Garten und lädt die liechtensteinische Bevölkerung zu einem Apéro ein. Ich begnüge mich aber mit einer virtuelle Schlosstour über die Augmented Reality-App LIstory. Sie verschafft mir virtuell einen Einblick in normalerweise verbotene Zimmer der fürstlichen Residenz. Selbst die App kann mir aber nicht alle Räume zeigen, den es gibt so viele, dass selbst der Prinz anscheinend die genaue Anzahl nicht kennt!

Über einen schmallen Pfad gelange ich ins Zentrum von Vaduz. Obwohl Vaduz für einen Hauptort ruhig scheint, kommt mir das Treiben nach der Ruhe des Liechtenstein-Wegs trotzdem sehr geschäftig vor. Schon nach kurzer Zeit fällt mir ein Bistro, die Brasserie Burg, auf. Die kunstvoll im pariser Stil der 1920er Jahre eingerichtet ist. Für mich ist es höchste Zeit, auf der Terrasse ein Pause einzulegen, ein Bier zu trinken und diese entzückende kleine Hauptstadt ohne meinen Rucksack zu geniessen.

Informationen und Angebote

  • Der Liechtenstein-Weg

    Auf dem Liechtenstein-Weg warten 75 Kilometer voll mit spannenden Geschichten, Sehenswürdigkeiten, herrlichen Ausblicken, idyllischen Rastplätzen und vielem mehr auf den Entdecker.

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  • Die App LIstory

    Der Ideale Begleiter auf dem Liechtenstein-Weg ist die App LIstory. Tauchen Sie mit der App in die Geschichte und Kultur des Lands ein und nutzen Sie die App auch für die Streckenplanung und Navigation.

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  • Etappenplanung

    Wir empfehlen Ihnen, den Liechtenstein-Weg während mehreren Tagesetappen zu erwandern. An den Etappenorten oder in der Nähe davon finden Sie verschiedene Unterkunftsmöglichkeiten und Restaurants.

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Über Luke Waterson

Luke ist Schriftsteller und Reiseschriftsteller und lebt in Wales. Vom ersten Moment an als er einen Stift halten konnte (und das Ende davon kauen), hat er seine Beigeisterung fürs Lesen und Schreiben entwickelt. Als viermaliger Gewinner des Bridport-Preises in der Kategorie Kurzgeschichten führte ihn sein erster Abstecher in die Reiseberichterstattung zu lokalen Zeitungen. Heute schreibt Luke Bücher für renomierte Reisemagazine wie Lonely Planet, Rough Guides, Insight Guides und Avalon Travel Publishing. Im Weiteren schreibt er auch für Telegraph, Independent, BBC, Which?, N von Norwegian, Morning Calm Magazine, Adventure.com und das Walk Magazine.

#liechtensteinweg: Impressionen vom Liechtenstein-Weg