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Der Liechtenstein-Weg
Tag 1 – Von Balzers nach Triesenberg

Von Luke Waterson

Ich bin nicht der erste Ausländer, der den Liechtenstein-Weg wandert - nicht ganz. Diese Ehre ging an einen Amerikaner (wie so viele). Ich bin jedoch der zweite! Ich weiss das, denn ohne den Prototyp der LIstory App, einem spannenden digitalen Wanderführer inklusive Augmented Reality Inhalten, den die Macher des neuen Liechtenstein-Wegs anlässlich des 300 Jahre Jubiläums Liechtensteins 2019 entwickelt haben, wäre es unmöglich, überhaupt den Weg zu finden.

Keine Sorge: Wenn Sie, lieber Wanderer, diese Worte lesen, wird der Liechtenstein-Weg mit rot-blauen Wegmarkierungen sehr gut signalisiert sein. Die LIstory App ist eine der innovativsten Wander-Apps, die ich je genutzt habe, mit einzigartigen Augmented Reality Inhalten, wie beispielseweise einem Blick hinter die Mauern von Schloss Vaduz, Augenzeugenberichten und sehr vielen historischen und kulturellen Inhalten über das Fürstentum Liechtenstein. Der Liechtenstein-Weg ist einer der am besten Wanderrouten in Mitteleuropa. Das kann ich bezeugen.

Wandern in Richtung von Burg Gutenberg

Burg Gutenberg in Balzers

Luke Waterson

«Im Gegensatz zu den meisten neuen Wanderwegen, die hauptsächlich an den wichtigen Sehenswürdigkeiten vorbei führen, beeindruckt der Liechtenstein-Weg indem er neben den Hauptattraktionen den Wanderer auch zu den kleinen Dingen führt.»

Die Chance zu haben, zu den Ersten zu gehören, die einen neuen Weg gehen dürfen, ist ein besonderes Vergnügen. Es gibt einem das Gefühl ein Entdecker zu sein. Der Reiz liegt darin, etwas zu sehen, das nur wenige zuvor gesehen haben. Der Liechtenstein-Weg ist aus verschiedenen Gründen eine Kategorie für sich selbst. Natürlich ist es etwas einmaliges, das 300-jährige Bestehen einer Nation zu feiern, und dabei auf einem Weg durch alle Gemeinden ein ganzes Land zu entdecken. Wenn man den gesamten Weg wandert, lernt man in 3 bis 4 Tagen fast jeden Punkt des Landes kennen (sogar für das Berggebiet Malbun gibt es einen separaten Rundgang). Welcher andere Weitwanderweg auf der Welt kann das behaupten? Im Gegensatz zu den meisten neuen Wanderwegen, die hauptsächlich an den wichtigen Sehenswürdigkeiten vorbei führen, beeindruckt der Liechtenstein-Weg indem er neben den Hauptattraktionen den Wanderer auch zu den kleinen Dingen führt. Anstatt sich auf die Wanderungen in den Bergen zu konzentrieren, für die Liechtenstein zu Recht berühmt ist, führt Sie der Liechtenstein-Weg überall hin: Durch idyllische Dörfer, die einsamen Wälder, die Almwiesen, druch Weinberge und zu Orten mit wunderbarer Aussicht. Viele der Orte zu denen der Weg führt, kennen sogar die Liechtensteiner selber nicht.

Da bin ich also, im wahrsten Sinne des Wortes ein Vorreiter und finde mich an einem nebligen Aprilmorgen beim St. Katherinna Brunnen am Anfang des Liechtenstein-Weges wieder. Ein Dunst (Nebel) hat sich über die Landschaft gelegt, die Berge, die normalerweise hier aus dem Tal emporsteigen, sind nur teilweise zu erkennen, aber egal, denn mein Fokus liegt zunächst dem dem südlichsten Teil von Liechtenstein: Einem Ort, der normalerweise wenig Aufmerksamkeit erlangt, aber viel verdient.

Der Weg beginnt an Liechtensteins südlicher Grenze zur Schweiz, in der Nähe des idyllischen Dorfes Balzers. Die Westgrenze Liechtensteins (der prächtige Rhein) und die Ostgrenze (das Rätikongebirge) sind auffällig genug, aber in Balzers ist es etwas weniger markant. Sporadische Grenzsteine ​​markieren die Grenze, obwohl dies nicht ausreichte, um eine ungewollte Invasion der Schweizer Truppen bei einer Militärübung im Jahr 2007 zu verhindern. Die Schweizer rückten dabei fast 2 km nach Liechtenstein vor, bevor sie ihren Fehler bemerkten, sich zurückzogen und sich entschuldigt haben! Die Route biegt am Waldrand entlang nach Balzers ab, wo sich die gepflegten Häuser scheinbar mit immer extravaganteren bukolischen Reizen in ihren Gärten gegenseitig übertreffen: hier Keramikhennen, dort gusseiserne Silhouetten von Landtieren, Zudem gibt eine grosse Vielfalt an Gartenzwergen, als ich jemals erlebt habe.

Das Zentrum von Balzers verkörpert sehr stark die ländliche Idylle: Wo die meisten Dörfer von Parkplätzen und gedankenloser Stadtplanung überrannt wurden, sind die Räume hier voller reizvoller Weinberge und Weiden. Die Hauptattraktion ist die Burg Gutenberg, die mitten auf einem mit Weinbergen bewachsenen Hügel erporragt. Die Burg stammt vermutlich aus dem frühen 12. Jahrhundert und war einst die Residenz des Minnesängers Heinrich von Frauenberg, eines wichtigen Troubadours, der mehrere Lieder zum Codex Manesse beigetragen hat, dem umfassendsten Bestand mittelalterlicher hochdeutscher höfischer Liebesdichtung. Auch in Balzers werde ich mit einem wiederkehrenden (und sehr willkommenen) Thema auf dem Weg vertraut gemacht: liebevoll restaurierte dekorative Trinkbrunnen! Nichts hellt die Stimmung eines Fernwanderers mehr auf als eine frische Quelle für klares und sauberes Wasser, und so verlasse ich Balzers in Hochstimmung.

Der Weg führt von der Hauptstrasse durch prächtige Wiesen in Richtung von Triesen zum Weiler Neugrütt. Im Vergleich zu Balzers ist der Weiler, der von zahlreichen Bäumen umgeben ist, geradezu winzig klein. Hier befindet sich auch das Lawena-Museum, welches die Geschichte der Elektrizität in Liechtenstein vermittelt: Wassererzeugter Strom, der hier aufgrund der Nähe zu den Bergen und zum Rhein vorherrscht, bedeutete, dass das Land eine wichtige Rolle in der industriellen Revolution spielte, und legte damit den Grundstein für Liechtensteins erfolgreiche Wirtschaft in der Neuzeit. Mitten im Grün liegt auch der sehr schöne Campingplatz Mittagspritze.

Lawena Museum in Triesen

Campsite Mittagspritze in Triesen

Von Neugrütt ist es ein gemütlicher Spaziergang durch die Wälder und Wiesen nach Triesen, einem einladend schönen Dorf, das sich verstreut am Fusse der Berge befindet. In Triesen liegt auch der wichtigste erhaltene Überbleibsel der Industriellen Revolution: die 1863 erbaute Weberei Spoerry. Ich freue mich, eine Pause im italienischen Restaurant Osteria Adler einzulegen. Wenn ich mich gefragt hätte, wo alle Bewohner Triesens sich aufhalten, dann hätte ich das nicht tun müssen: Denn sie befinden sich alle zum Mittagessen in diesen einladenden kleinen Restaurant! Gut gefüllt mit einer Pizza Quattro Stagioni schaue ich auf den Streckenteil der vor mir liegt. Ich habe das Gefühl, dass ist in den Berge Schnee erkennen kann. Ein zweiter Blick verrät mir dann aber, dass es sich nicht um Schnee handelt, sondern um die weissen Wänder der Häuser von Triesenberg 450 Meter über mir.

Galerie ansehen

Triesenberg ist mein Etappenziel für den ersten Tag, aber es ist kein Spaziergang von Triesen aus. Auf den rund zwei Stunden teilweilweiser steilem Aufstieg ist dieser Abschnitt des Liechtenstein-Weges auch nicht einer, auf dem Sie sich beeilen möchten. Die Wälder rund um den traditionellen Weiler sind still und romantisch, und auch auf diesem abgelegenen Wegabschnitt laden die mit typisch liechtensteinischem Charme erschaffenen Sitzbänke zum gemütlich Verweilen ein. Sogar einen Wald-Fitnessparcours mit Trainingsgeräten aus Baumstämmen gibt es hier.

Asend towards Triesenberg

Village Triesenberg

Als ich in Triesenberg ankomme, überrascht mich das geschäftige Treiben im kleinen Ort, der sich über steile Berghänge erstreckt. Ich schnappe nach Luft und ich freue mich auf ein lokales Bier. Ich checke im Hotel Kulm ein und mache mich bereit, die traditionellere Seite Liechtensteins zu erleben: einfache holzgetäfelte Zimmer und ein Restaurant, das klassische, herzhafte liechtensteinische Gerichte serviert. Ich bin fasziniert von der herrlichen Aussicht auf das Rheintal, die ich vom Hotel Kulm aus geniesse. Von hier aus kann ich fast die gesamte Strecke sehen, die ich heute auf dem Liechtenstein-Weg zurückgelegt habe. Es ist eine achtliche Strecke, aber über drei Viertel des Weitwanderweges liegen noch vor uns…

Informationen und Angebote

  • Der Liechtenstein-Weg

    Auf dem Liechtenstein-Weg warten 75 Kilometer voll mit spannenden Geschichten, Sehenswürdigkeiten, herrlichen Ausblicken, idyllischen Rastplätzen und vielem mehr auf den Entdecker.

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  • Die App LIstory

    Der Ideale Begleiter auf dem Liechtenstein-Weg ist die App LIstory. Tauchen Sie mit der App in die Geschichte und Kultur des Lands ein und nutzen Sie die App auch für die Streckenplanung und Navigation.

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  • Etappenplanung

    Wir empfehlen Ihnen, den Liechtenstein-Weg während mehreren Tagesetappen zu erwandern. An den Etappenorten oder in der Nähe davon finden Sie verschiedene Unterkunftsmöglichkeiten und Restaurants.

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Das Hotel Kulm in Triesenberg

Blick von Triesenberg auf das Talgebiet

Über Luke Waterson

Luke ist Schriftsteller und Reiseschriftsteller und lebt in Wales. Vom ersten Moment an als er einen Stift halten konnte (und das Ende davon kauen), hat er seine Beigeisterung fürs Lesen und Schreiben entwickelt. Als viermaliger Gewinner des Bridport-Preises in der Kategorie Kurzgeschichten führte ihn sein erster Abstecher in die Reiseberichterstattung zu lokalen Zeitungen. Heute schreibt Luke Bücher für renomierte Reisemagazine wie Lonely Planet, Rough Guides, Insight Guides und Avalon Travel Publishing. Im Weiteren schreibt er auch für Telegraph, Independent, BBC, Which?, N von Norwegian, Morning Calm Magazine, Adventure.com und das Walk Magazine.

#liechtensteinweg: Impressionen vom Liechtenstein-Weg